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Hätte ich es nicht gesehen, würde ich es nicht glauben
Verhaltensweisen der Kinder in den Montessori-Kinderhäusern, dokumentiert in den Büchern Maria Montessoris

1. Konzentration, Ausdauer und Genauigkeit

Das Erstaunlichste bei der Beobachtung der Kinder, die beginnen, die Übungen mit einem der Materialien durchzuführen, ist, daß sie diese Übungen selbstständig und ohne dazu aufgefordert worden zu sein, viele Male wiederholen. Die Kinder arbeiten aus eigenem Entschluß. Bereits Dreijährige zeigen eine Konzentrationsdauer von einer halben Stunde, 6jährige konzentrieren sich 2 Stunden .Dabei fällt auf, daß die Kinder so tief in ihre Arbeit versinken, daß sie äußere Störungen kaum oder gar nicht mehr wahrnehmen.

"..und nun zeigte sich, daß diese kleinen Kinder plötzlich zu einer Form der Konzentration fähig waren, die sogar Erwachsene nur notdürftig erreichen." *11)

"Es ist reizvoll, bei den Kindern zu beobachten, wie mächtig der Arbeitsinstinkt ist..." *12)

"Eine der am wenigsten erwarteten und daher überraschendsten Kundgebungen der Kinder, die in unseren Schulen die Möglichkeit hatten, sich frei zu betätigen, bestand in der liebevollen Genauigkeit, mit der sie ihre Arbeiten ausführten ...." *13)


2. Freude am Überwinden von Schwierigkeiten

"...so werden wir in der sukzessiven Entwicklung sehen, wie sich die Kinder auch den uns so trocken erscheinenden Gedächtnisübungen widmen, denn in ihnen ist nicht nur das Bedürfnis wachgeworden, die Eindrücke, denen sie auf der Welt begegnen, in sich festzuhalten, sondern auch durch eine bestimmt ausgerichtete Anstrengung Kenntnisse "schnell zu erwerben". Ein erstaunliches und allgemeines Beispiel dafür ist das Auswendiglernen des Einmaleins...."*21)
Im Kontext wird ersichtlich, daß es sich hier um keine Wunschvorstellung handelt, sondern um Erfahrung aus der Praxis.

Das folgende Beispiel beschreibt eine Erscheinung aus der Phase unmittelbar nach der sogenannten "Normalisierung" :
"...Kinder, die bislang die Gegenstände nur aus momentaner Laune ergriffen hatten, hatten nun das Bedürfnis nach einer Art Regel, nach einer persönlichen und inneren Regel; sie konzentrierten ihre Kraft auf sorgfältige und methodische Arbeit und hatten ihre wahre Freude am Überwinden von Schwierigkeiten. Diese wertvolle Arbeit wirkte sich unmittelbar auf ihren Charakter aus. Sie gelangten zur Herrschaft über sich selbst..." *22)


3. Ungewöhnliche Selbständigkeit und Forschergeist

"Als der argentinische Botschafter von unseren Schulen hörte,.....wollte er es nicht recht glauben. Anstatt seinen Besuch anzukündigen, zog er es vor, überraschend zu kommen. Leider kam er an einem freien Tag und die Schule war geschlossen. Die Schule... befand sich in einem Wohnblock, wo die Eltern mit ihren Kindern wohnten. Ein Kind war zufällig auf dem Schulhof, als der Botschafter eintrat und vernahm seine Worte des Bedauerns. Es begriff, daß es sich um einen Besucher handelte und sagte zu ihm: " Das macht nichts, wenn die Schule zu ist, der Hausmeister hat die Schlüssel und wir sind alle zu hause." Die Tür wurde geöffnet, die Kinder kamen in die Klasse und begannen zu arbeiten.....Die Lehrerin erfuhr erst am folgenden Tag, was geschehen war...." *31)

"...die Lehrerin geht langsam und leise herum, kommt zu denen, die sie rufen, beaufsichtigt die Kinder so, daß jeder, der sie braucht, sie sofort hört, und wer sie nicht braucht, nicht bemerkt, daß sie überhaupt da ist. Stunden vergehen und alles schweigt. Man könnte meinen, es seien kleine Erwachsene, oder - um mit anderen Worten zu sprechen - "Senatoren während einer Sitzung..." *32)

"....während wir noch dabei waren, Unterrichtsmaterial zur Einführung der Druckbuchstaben herzustellen, fingen die Kinder an, alles Gedruckte zum Lesen, was sie in der Schule finden konnten, darunter ein paar wirklich schwierige Texte, wie etwas den eines Kalenders in gotischen Lettern...sobald sie eine neue Schriftart sahen, wollten sie sie kennenlernen, indem sie den Sinn der Worte errieten. Es war dies eine Anstrengung der Intuition, vergleichbar der des Forschers, der in Stein gehauene prähistorische Schriftzeichen so lange studiert, bis ihm die sinnvolle Textdeutung beweist, daß er die unbekannten Zeichen richtig verstanden hat...."*33)


4. Zunahme der sozialen Kompetenz

"...unsere Schulen haben bewiesen, daß sich die Kinder verschiedenen Alters untereinander helfen; die Kleinen sehen was die Größeren tun und bitten sie um Erklärungen, die diese ihnen gern geben...zwischen ihnen besteht eine Harmonie und Lehrgabe, wie sie selten zwischen Erwachsenen und Kindern zu finden ist...bei den kleinen Kindern gibt es keinen Neid; es kränkt sie nicht, daß die Großen mehr wissen als sie, denn sie fühlen, wenn sie einmal gewachsen sind, wird die Reihe an ihnen sein. es besteht Liebe, Bewunderung und eine wirkliche Brüderlichkeit unter ihnen...." *41)

"...es ist also Bewunderung unter den Kindern da und nicht Neid. Keine Erzieherin könnte den Kindern befehlen, die Arbeit des Anderen zu bewundern. Alles, was irgendjemand vollbringt, ist etwas Schönes und wird von allen bewundert, so wie wir die Arbeit eines großen Malers bewundern. Hier gibt es nicht Wettbewerb, sondern Bewunderung, denn es ist spontanes Verhalten...."*42)

"...die Kinder helfen einander nicht in der Weise, wie wir es tun. Da schleppen Kinder schwere Gegenstände und keines der anderen rührt sich, ihnen zu helfen. Sie respektieren sich gegenseitig und greifen nur ein, wenn Hilfe nötig ist. Dieser Vorgang macht uns klar, daß sie das existenzielle Bedürfnis des Kindes intuitiv erfassen und respektieren: nicht unnötig Hilfe zu erhalten..."*43)

"...ein anderer interessanter Zug im Verhalten der Kinder ergibt sich gegenüber Störenfrieden: nehmen wir zum Beispiel ein Kind an, das erst vor kurzem in die Schule aufgenommen wurde und sich noch nicht an die Umgebung gewöhnt hat: es ist unruhig, stört und stellt für alle ein Problem dar. Im allgemeinen wird es der Lehrer zurechtweisen...die Reaktion seiner Schulkameraden ist jedoch grundverschieden. Einer von ihnen geht zu dem Neuankömmling und erklärt ihm: "Du bist ungezogen, aber das macht nichts, als wir hier neu waren, sind wir auch nicht besser gewesen." Indem er Verständnis für ihn hatte und seine Bosheit als Unglück ansah, wollte der kleine Kamerad den anderen trösten und all das Gute hervorholen, das möglicherweise in ihm steckte...."*44)

"...bei einem so lebhaften Interesse für ihre Tätigkeit passiert es nie, daß sich die Kinder um Gegenstände streiten..."*45)

"Wenn das geschehen ist (die Konzentration),entsteht eine wirkliche Disziplin, deren deutlichste Auswirkungen wir damit vergleichen können, was wir als "Respekt für die Arbeit und Rücksichtnahme auf die Rechte anderer" bezeichnen würden. Denn es geschieht nicht mehr, daß ein Kind dem anderen das Arbeitsmaterial wegnehmen will; auch wenn es danach verlangt, wartet es geduldig, bis der Gegenstand frei ist; und oft beobachtet das Kind mit Interesse, wie der Kamerad mit dem Gegenstand arbeitet, den es zu besitzen wünscht. Wenn sich also die Disziplin aufgrund dieser inneren Fakten stabilisiert, geschieht es plötzlich, daß die Kinder unabhängig voneinander arbeiten, fast als entwickelten sie eine eigene Persönlichkeit; aber aus der Arbeit ergibt sich keine "moralische Isolierung"; im Gegenteil, unter den Kindern besteht ein gegenseitiger Respekt, eine Herzlichkeit, ein Gefühl, das die Menschen verbindet, statt sie zu trennen...." *46)

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beendet die sommerzeit!